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Eine "Kurzfassung" der Vereinsgeschichte

Am Mittwoch, dem 10. Januar des Jahres 1877, fanden sich in einem heute leider nicht mehr bekannten Raum 32 Erndtebrücker Bürger zur Vereinsgründung zusammen.

Eingeladen hatte Herr Chaussee-Aufseher Weidel, der in Erndtebrück seinen Dienst versah. Die Gründer beriefen ihn nicht nur zum Dirigenten, sondern wählten ihn auch zum "Präses" (Vorsitzender). Er brachte als ehemaliger Militärmusiker die erforderliche Voraussetzung für das Dirigentenamt mit. Dirigenten- und Vorsitzendenamt haben von Anfang des Jahres 1902 in einer Hand gelegen.

In der Gründungsversammlung lagen bereits die Vereinsstatuten (Satzung) im Entwurf vor; sie wurden dann auch angenommen. Die Vereinsordnung bestand aus 21 Paragraphen. Die grundsätzlichen Zielsetzungen waren im §1 festgelegt, der folgenden Wortlaut hatte:

"Zweck des Vereines ist die Hebung und Förderung des Gesanges für Männerchöre. Er enthält sich jeglicher politischer Betätigung und es ist den Mitgliedern untersagt, während der Übungsstunden diesbezügliche Unterhaltungen zu führen.

Als Übungslokal diente zunächst das 2. Klassenzimmer der Schule (später Haus Bald, Bergstraße 12), das vor etwa 20 Jahren dem Ausbau der Landstraße Erndtebrück - Benfe weichen musste.

Im Jahre 1879 wurde die Vereinsfahne angeschafft. Die Finanzierung erfolgte aus freiwilligen Beiträgen einzelner Mitglieder, und einem Zuschuss der Gemeinde. Die Sänger haben ihre Fahne in Ehren gehalten, denn nach einer Reparatur im Jahre 1900 hat sie die Folgezeit bis zum heutigen Tag gut überstanden.

Unter dem 23. Oktober 1886 ist durch Herr Lehrer Gillmann aus Birkelbach der erste Eintrag in das Protokollbuch des Vereins erfolgt. Die zweite Eintragung unter dem Datum 09. Februar 1887 gibt Auskunft über die finanzielle Situation und weist einen Bestand von 28,71 Mark aus.

Ehrenmitglieder wurden erstmals1894 ernannt, ab 1897 konnten auch passive Mitglieder aufgenommen werden.

Eine wesentliche Neuerung brachte das Jahr 1902. Erstmals wurden die Ämter des Vorsitzenden und Dirigenten (in den weiteren Ausführungen als Chorleiter bezeichnet), die bisher in Personalunion verwaltet worden waren, getrennt. Ab diesem Jahre war der Schneidermeister H. Grebe Vorsitzender und der Kapellmeister Bürger aus Womelsdorf der erste (Nur-)Chorleiter.

Eine größere Veranstaltung zum 25jährigen Vereinsjubiläum, ebenfalls in 1902, scheint nicht stattgefunden zu haben. Herr Amtmann Schmidt, der dem Verein fast 25 Jahre angehörte, wurde in Würdigung seiner Verdienste einstimmig zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Im Zeichen des 30jahrigen Jubiläums stand das Jahr 1907. Das Fest mit zahlreichen Gast- und Ortsvereinen nahm einen glänzenden Verlauf. Vorsitzender war 1907 Wilhelm Völkel -Spanges-, Chorleiter weiterhin der Kapellmeister Bürger.

Die Mindestaltersgrenze für neu aufzunehmende Mitglieder wird 1907 auf 17 Jahre festgelegt. Das bisher übliche Strafgeld für unentschuldigtes Fernbleiben (Versäumnis der Chorstunde) wird 1911 abgeschafft. Eine Liste über die Beteiligung an den Übungsstunden soll jedoch fortgeführt werden.

Während des I. Weltkrieges kommt das Vereinsleben völlig zum Erliegen. Jedenfalls verzeichnet das Protokollbuch für die Jahre 1915 - 1918 keine Eintragungen. Einige Sangesbrüder haben im Krieg ihr Leben hingegeben. Am 6. September 1919 fanden sich erstmals die Vereinsmitglieder wieder zusammen. Die erste Chorstunde wurde am 11. Oktober 1919 abgehalten. Vorsitzender war weiterhin der bereits 1912 gewählte Sägewerksbesitzer Ludwig Belz und Chorleiter der ebenfalls 1912 gewählte Lehrer Nollkämper.
Interessant ist ein Blick auf die finanzielle Situation 1924 im Zeichen der Inflation. Für das abgelaufene Vereinsjahr ergibt sich bei Einnahmen von 216,74 Billionen Mark, und Ausgaben von 104,89 Billionen Mark ein Bestand von 111,85 Billionen Mark.

Das Vereinsjubiläum zum 50jährigen im Jahre 1927 war verbunden mit einem Wettstreit und fand über Pfingsten statt. Allein an diesem Wettstreit beteiligten sich 49 Vereine mit ca. 1500 Sängern. Gesungen wurde in sechs Klassen, nämlich I, II, III, IV, Va und Vb. Das Fest war zweifellos ein Höhepunkt in der bisherigen Vereinsgeschichte. Vorsitzender im Jubiläumsjahr war der im Jahre 1926 gewählte Sangesbruder Fritz Sauer, Chorleiter seit 1922 der Lehrer Heinrich Hansmann aus Birkefehl.

Von den letzten zwanziger und dreißiger Jahren ist nicht viel Nennenswertes zu berichten. Der Verein tritt 1934 dem neu gegründeten Sängerkreis Wittgenstein bei.

Dem damaligen Zeitgeist entsprechend wird der bisherige Vorsitzende (ab 1929 Karl Horchler) zum "Vereinsführer" gewählt. Er ernennt zu seinen Mitarbeitern ausnahmslos die bisherigen Vorstandsmitglieder.

Im II. Weltkrieg konnten nur bis 1942 Übungsstunden abgehalten werden. Der letzte Eintrag im Protokollbuch datiert vom 11. März 1944. Viele Sänger wurden zur Wehrmacht einberufen und zahlreiche von ihnen sind Opfer des Krieges geworden. Auch in der Heimat verloren Vereinsmitglieder ihr Leben.

Nach den Wirren des schrecklichen Krieges muss der 30. Dezember 1945 als Wiederbeginn des Vereinslebens angesehen werden. An diesem Tage fand eine Generalversammlung statt. Sie bestätigte den bisherigen Vorsitzenden Karl Horchler und den Chorleiter Heinrich Hansmann.

Die Mitgliederliste und auch die Satzung waren der englischen Militärregierung zur Genehmigung vorzulegen.

Am 1. und 8. Mai 1948 wurden erstmals wieder Konzerte gegeben.

Am 17. und 18. Mai 1952 beging die "Eintracht" das Fest zum 75jährigen Bestehen. Es erreichte unter der Beteiligung vieler befreundeter Vereine einen Umfang, der weit über den Rahmen der ortsüblichen Veranstaltung hinausging. Letztlich hat dieses Ereignis dazu beigetragen, die Zahl der aktiven Sänger von 36 auf 50 zu erhöhen. Vorsitzender war im Festjahr Wilhelm Birkelbach (seit 1949) und Chorleiter immer noch Heinrich Hansmann.

Die weiteren fünfziger und die sechziger Jahre waren von regem Vereinsleben geprägt. Als Höhepunkt müssen angesehen werden das Jubiläum zum 90jährigen in 1967 und die auf Wunsch des MGV erfolgte Gründung des Frauenchores 1969.

Vorsitzender im Jubiläumsjahr 1967 war Wilhelm Völkel (seit 1965), Chorleiter Rektor Fritz Hornbruch (seit 1955). Der Frauenchor wurde seit Beginn von Chorleiter Günter Meier geleitet, der auch ab Februar 1969 dem Männerchor vorstand.

Unter Günter Meier erlebte der MGV einen spürbaren Aufschwung. In diese Zeit fallen zahlreiche Konzerte, u.a. mit dem Opernsänger Karl Ritterbusch. Fahrten in die Partnerstadt Bergues in Frankreich und die Schweiz brachten erstmalige Auftritte im Ausland.

Ein weiterer positiver Abschnitt im Vereinsleben begann Ende 1974 mit der Verpflichtung von Chorleiter Paul Gastreich als Chorleiter (auch des Frauenchores). Zügig wurde auf das nächste Ziel, das 100jährige Vereinsjubiläum im Jahre 1977, hingearbeitet.

Die Veranstaltung hierzu begannen am 10.01.1977 mit einer internen Zusammenkunft der aktiven Sänger und fanden ihre Fortsetzung mit einem Konzert am 5. März 1977, an dem auch der Frauenchor und vier Solisten teilnahmen.

Eine besondere Ehrung erfuhr der Verein am 22. Mai 1977. An diesem Tag wurde in Mönchengladbach aus der Hand des Kultusministers des Landes Nordrhein-Westfalen, Jürgen Girginsohn, die Zelterplakette überreicht.
Diese hohe staatliche Auszeichnung (gestiftet 1956 durch den damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuß), erhalten die Chöre, die sich in hundertjährigem Wirken besondere Verdienste um die Pflege der Chormusik und des deutschen Volksliedes und damit um die Förderung des kulturellen Lebens erworben haben.

Die Hauptversammlung zum Jubiläum fanden im Zeitraum vom 7. - 9.Oktober 1977 statt. Es beteiligten sich insgesamt 52 Chöre mit ca. 2000 Sängerinnen und Sängern.
Besonders zu erwähnen ist die starke Beteiligung aus der der Partnerstadt Bergues mit Chor, Musikkapelle und den Majorettes. Insgesamt waren die Festtage die absolute Spitze im bisherigen Vereinsgeschehen.

Ab dem Jahre 1982 strebte der Chor ein neues großes Ziel an. Zunächst wurde im genannten Jahr das Kreisleistungssingen erfolgreich absolviert und im Folgejahr ebenso das Bezirksleistungssingen. Die Krönung brachte beim Bundesleistungssingen am 03.06.1984 in der Stadthalle Olpe der Titel "Meisterchor" im Sängerbund Nordrhein-Westfalen.

Nur 3 Wochen später, am24.06.1984, setzte sich der Chor mit sehr guten Ergebnissen bei dem Wettstreit in Freienohl durch.

Das Jahr 1985 war überschattet vom krankheitsbedingten Rücktritt des Vorsitzenden Wilhelm Völkel. In seiner 20jährigen Amtszeit hatte die "Eintracht" ihre größten Erfolge. Das spricht für seine Initiative und Führungsqualitäten. Nachfolger im Amt wurde Karl-Heinrich Bernshausen.

Das 110jährige Bestehen feierte der Verein 1987 mit einem Konzert unter Beteiligung weiterer Gastreichchöre und des Frauenchores.

Der Titel "Meisterchor" konnte im Jahr 1990 nochmals errungen werden. Ebenso nahm der Chor erfolgreich an einem Wettstreit teil.

In Dünkirchen in Nordfrankreich fand im Juni 1993 ein internationales Sängerfest statt. Dieses Fest stand unter dem Motto -Europa singt-. An diesem Fest im Kursaal der Stadt beteiligten sich Chöre aus Frankreich, England, Belgien, Griechenland, Irland, Italien, Holland und Deutschland. Vor mehreren tausend Zuhörern war auch die "Eintracht" aus Erndtebrück mit gutem Erfolg vertreten.

Ein Konzert mit dem Schwesterverein am 13. Mai 1995 bedeutete gleichzeitig den Abschied von Paul Gastreich als Chorleiter. Dieser hatte aus Gesundheitsgründen um die Beendigung seiner über 20jährigen Tätigkeit gebeten. Aus seinem vielseitigen Wirken für den Verein sollen stellvertretend nochmals die vielen Konzerte, erfolgreiche Wettstreitteilnahmen und die zweimalige Auszeichnung als "Meisterchor" (gleichfalls einmal des Frauenchores) hervorgehoben werden. Der Name Gastreich hat seinen festen Platz in der Vereinsgeschichte.

Die Nachfolge für Paul Gastreich (auch im Frauenchor) übernahm Christine Uhl, die bisher bereits, besonders im Frauenchor, den Chorleiter vertreten hatte.

Der Chor beteiligte sich mit gutem Erfolg am Gutachtersingen in Birkelbach am 17. April 1999 und am Leistungssingen der Stufe I mit Zulassung zur Stufe II am 7. November 1999 in Dotzlar.

Im Jubiläumsjahr 2002 war Klaus Lopatar Vorsitzender (Karl-Heinrich Bernshausen verzichtete 2001 auf seine Wiederwahl und ist seitdem Ehrenvorsitzender).

Auch Christine Uhl stellte sich2001 nicht mehr als Chorleiterin zur Verfügung. Ihr Nachfolger wurde Martin Hackler.

Die Feierlichkeiten zum125jährigen Bestehen fanden am 11. - 12. Oktober 2002 in den Ratsstuben in Erndtebrück statt.

Aus beruflichen Gründen musste Martin Hackler 2003 das Amt des Chorleiters niederlegen. Seine Nachfolge übernahm Ralf Stiebig.
Die Zusammenarbeit mit Ralf Stiebig wurde im Dezember 2006 beendet. Seit dem 10. Januar 2007 ist Musikdirektor Karl-Heinz Oberstadt musikalischer Leiter des Chores.

Zum 130-jährigen Bestehen des Vereins fand am Sonntag, 4. November 2007, in der vollbesetzten Evangelischen Kirche ein Jubiläumskonzert statt. Die Gesamtleitung oblag unserem Chorleiter Karl-Heinz Oberstadt. Neben unserem Chor wirkte auch unser Schwesterverein unter dem Dirigat von Ralf Stiebig mit. Für die instrumentale Begleitung sorgten Kathrin Hackler am Klavier und Erhard Weber an der Trompete. Durch den Abend führte Pfarrer Helmut Krumm in seiner bekannten Art und Weise. Dabei brachte er auch auf humorvolle Art die Vereinsgeschichte zum Besten und erzählte ebenso einiges zu den einzelnen Liedern.

Im Jahr 2009 beteiligte sich der Chor mit gutem Erfolg am Gutachtersingen im Schulzentrum  Feudingen am 4. April und am Volksliederpokalsingen in der Konzerthalle Olsberg am 26. September, wo der Chor von den 15 teilnehmenden Chören die viertbeste Tageswertung erzielte und den Goldpokal nur um 0,75 Punkte verfehlte.  

Das Jahr 2011 brachte einen Wechsel im Amt des 1. Vorsitzenden. Klaus Lopatar verzichtete aus gesundheitlichen Gründen auf eine Wiederwahl. Sein Nachfolger wurde Marius Beitzel.

Der MGV "Eintracht" Erndtebrück ist in den 134 Jahren seines Bestehens zum hervorragenden Kulturträger seiner Heimatgemeinde geworden.

Davon zeugen seine vielseitigen Aktivitäten, von denen einige als Abschluss der vorstehenden Ausführungen aufgezeigt werden sollen.

 

  • Mitwirkung bei Veranstaltungen der Gemeinde

  • Mitwirkung bei Veranstaltung des Schwestervereines Frauenchor "Eintracht"

  • Mitwirkung bei Seniorenveranstaltungen der Kirchengemeinde
    (seit 1971 ohne Unterbrechung)

  • Mitwirkung beim Volkstrauertag

  • Mitwirkung bei Veranstaltungen der örtlichen Vereine

  • Mitwirkung bei Gottesdiensten in beiden Kirchen

  • Ständchen zu Goldhochzeiten und nachfolgenden Ehejubiläen

  • Ständchen zu Geburtstagen

  • Konzerte

  • Fahrten in die Partnerstadt Bergues und Mitwirkung bei Besuchen

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